Agentur für Anerkennung

Agentur für Anerkennung

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Anna Dieterich

Anna Dieterich studierte Schauspiel in Wien und Sprechwissenschaft in Halle an der Saale.

Engagements führten sie u.a. ans Theater unterm Dach in Berlin, ans Kleistforum Frankfurt / Oder und ans Theater Heilbronn. Als Sprecherin war sie u.a. für Arte und den WDR tätig. Außerdem konzipierte und inszenierte sie verschiedene Sprech- und Radioprojekte in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sprechwissenschaft in Halle.  Neben ihrer Tätigkeit als Schauspielerin und Sprecherin arbeitet Anna Dieterich als Sprecherzieherin u.a. an der Universität der Künste in Berlin.

Anna Dieterich ist Gründungsmitglied der Agentur für Anerkennung.

Ute Lindenbeck

Ute Lindenbeck arbeitet seit 2003 als freie Bühnen- und Kostümbildnerin im deutschsprachigen Raum. Sie hat an der Kunsthochschule Berlin und an der St. Martins School of Art London studiert, im Jahr 2000 hat sie die Hochschule mit dem Diplom in Bühnenbild abgeschlossen.

Sie entwirft Bühnen- und Kostümbilder für Oper und Schauspiel und hat zahlreiche Arbeiten an Stadttheatern und in der Freien Szene realisiert. Außerdem hat sie in Kooperation mit raumlaborberlin einige theatrale und partizipative Interventionen im Öffentlichen Raum entwickelt und durchgeführt.

Ute Lindenbeck ist Gründungsmitglied der Agentur für Anerkennung.

 

Reto Kamberger

Reto Kamberger, Regisseur und Dramaturg, wurde in der Schweiz geboren und lebt in Berlin. Er erarbeitete zahlreiche Ur- und Erstaufführungen von zeitgenössischen Stücken.

Mittlerweile wendet er sich vermehrt eigenen Projektentwicklungen zu. In enger Zusammenarbeit mit dem Ensemble und spartenübergreifenden Künstlern entstehen Theaterabende zwischen Performance, Szenencollage und Story-Telling. Dabei gilt das Interesse den Biographien der Beteiligten. Die Agentur für Anerkennung will wissen, wer da auf der Bühne steht und was diejenigen zu sagen haben.

Reto Kamberger ist Gründungsmitglied der Agentur für Anerkennung.

Anerkennung 1

Wenn der Mensch wirklich menschlich werden soll, wenn er sich wesentlich und wirklich vom Tier unterscheiden soll, muss seine menschliche Begierde in ihm wirklich seine tierische Begierde überwinden. Jede Begierde aber ist Begierde nach einem Wert. Der höchste Wert für das Tier ist sein tierisches (animalisches) Leben. Alle Begierden des Tiers sind letzten Endes Funktionen seiner Begierde nach Lebenserhaltung. Die menschliche Begierde muss also diese Erhaltungs-Begierde überwinden. Anders gesagt, der Mensch „bewährt“ sich nur als Mensch, wenn er den Einsatz seines (animalischen) Lebens um seiner menschlichen Begierde willen wagt. Durch dieses Wagnis wird die menschliche Wirklichkeit als Wirklichkeit geschaffen und offenbart; in diesem Wagnis und durch dieses Wagnis „bewährt“ sie sich, das heißt, sie zeigt sich, demonstriert sich und beweist sich als wesentlich von der natürlichen, animalischen Wirklichkeit verschiedene. Deshalb heißt vom „Ursprung“ des Selbstbewusstseins sprechen, notwendig vom „Daransetzen“ des Lebens (für ein wesentlich nicht-vitales Ziel) sprechen.

Der Mensch „bewährt“ sich als Mensch, indem er sein Leben für die Befriedigung seiner menschlichen Begierde, das heißt seiner auf eine andere Begierde sich richtenden Begierde, einsetzt. Eine Begierde begehren heißt aber, sich selbst an die Stelle des von dieser Begierde begehrten Wertes setzen wollen. Denn ohne diese Substitution würde man den Wert, das begehrte Objekt, und nicht die Begierde selbst begehren. Die Begierde eines anderen begehren, heißt also letztlich begehren, dass der Wert, der ich bin oder den ich „repräsentiere“, der von diesem anderen begehrte Wert sei: ich will, dass er meinen Wert als seinen Wert „anerkennt“, ich will, dass er mich als einen selbständigen Wert „anerkennt“. Anders gesagt, jede menschliche, anthropogene, das Selbstbewusstsein, die menschliche Wirklichkeit produzierende Begierde ist letztlich eine Funktion der Begierde nach Anerkennung. Und das „Daransetzen“ des Lebens, durch welches sich die menschliche Wirklichkeit „bewährt“ ist ein Einsatz im Dienste einer derartigen Begierde. Vom „Ursprung“ des Selbstbewusstseins sprechen, heißt also notwendig von einem Kampf auf Leben und Tod um die „Anerkennung“ reden.

Alexandre Kojève · Hegel

Integrare heißt Erneuern!


Die Mauer ist uns auf den Kopf gefallen! — Die Mauer ist überhaupt nicht einfach gefallen, wir haben die Mauer gestürzt! — Dann habt ihr sie eben uns auf den Kopf gestürzt, das macht’s auch nicht besser!

Integrare heißt Erneuern!
Projektentwicklung  •  Premiere 20. September 2012  •  Theater unterm Dach Berlin
Text  Reto Kamberger und Ensemble
Ensemble Anna Dieterich  •  Tobias Kaufhold  •  Marlies Ludwig  •  Ali Yigit
Regie Reto Kamberger  •  Ausstattung Ute Lindenbeck und Anna Buttler  •  Dramaturgie Ute Lindenbeck
Musikalische Einstudierung Bee Chang • Licht Kamil Rohde

Vier Figuren begegnen einander: eine Frau aus dem Osten, ein türkischer Migrant, eine nach Berlin zugezogene Schwäbin und ein junger Westberliner. Die Figuren erzählen Geschichten, und sie erzählen ihre Geschichte. Es geht um Überzeugungen und Kinder, um Austausch und Enttäuschungen – und um die Mauer.
Und immer geht es irgendwie um das Gefühl, dazu zu gehören oder nicht!

Schnitt Anna Ali Gross_DSC06744 Foto © Kamil Rohde

Pressestimmen

Was sich in der Inszenierung unter der Regie von Reto Kamberger unter textlicher Mitarbeit des Ensembles abspielt, daran kommt inhaltlich niemand im Zuschauervolk vorbei. Jeder könnte da mitreden. Jedem sind die hier angeführten Vorurteile bekannt, die den Alltag von Leuten aus Ost und West, Nord und Süd begleiten. Jeder könnte auf seine Weise auch seine Probleme mit der zwar schon über 20-jährigen und doch geschichtlich gesehen jungen Situation beklagen. Wir finden uns wieder. Gemütlich ist das nicht. Spröde deshalb auch das Bühnenbild samt der Mauer in Kleinformat.

Das Stück sucht künstlerisch nach einer Möglichkeit der Annäherung. Und siehe da, alle Zuschauer beteiligen sich daran. Mit der Aufgabe werden sie bereits vor Beginn des Stücks konfrontiert. Was da jeder für sich als bemerkenswert erachtet, wird im Stück letztlich eine Rolle spielen. Zu aller Überraschung sind dann Forderungen des Publikums eingereicht. Eine wunderbare Idee, selbst wenn man Theater an sich nachsagt, es könne nichts ändern. Vielleicht doch.   Neues Deutschland

Wem gehört Berlin? Diese Frage wird immer wieder ausgiebig in den Feuilletons diskutiert und offenbart nur die absurdesten Ressentiments gegen Touristen und den grassierenden lokalen Kiezstolz der ehemals Zugezogenen. Um das „Dazugehören“ geht es auch in dem Episodenstück Integrare heißt erneuern von Reto Kamberger, ebenfalls ein aus der Schweiz ausgewanderter Neuberliner, der aber als historischen Anfangspunkt das berühmteste Bauwerk der Hauptstadt wählt und plakative Figuren ins Rennen schickt. Eine Frau aus dem Osten, einen Westberliner, die obligatorische Schwäbin und einen Deutschtürken. Sie leben in der Stadt, auf der einen oder anderen Seite, und auch wenn die Mauer abgerissen wurde, liegen noch Bruchstücke in den Köpfen. Wie sie leben und wie oder ob die Mauer in den Köpfen klein geklopft werden kann, um einen Blick auf ein „Miteinander“ zu eröffnen, loten die vier unterschiedlichen Charaktere in packenden und auch wahnwitzigen Dialogen aus.   taz die Tageszeitung

Die Vorurteile, das Aneinandervorbeireden, auch Ignoranz werden an- aber nicht ausdiskutiert. Das Ganze hat Tempo, oft Witz, mitunter auch die Andeutung von Tiefe… Das ist nicht wenig, aber es hätte sich aus der Konstellation mehr machen lassen. So bleibt die Forderung nach gegenseitigem Respekt, Zuhören, nach einem Miteinander.  Das Blättchen

Es ist ein humorvolles und intelligentes Spiel mit Klischees und Vorurteilen. Jeder beschuldigt den anderen, Schuld an dem eigenen Dilemma zu haben. Und trotz allen Vorwürfen hat jeder ein lobendes Wort für den anderen. Die Deutschen singen türkische Volkslieder, der Türke singt “Kein schöner Land”.  Dabei nimmt sich das Stück selbst auf die Schippe und vollführt so einen genialen Bogenschlag, der am Ende die Zuschauer mit ihren eigenen Gedanken wieder in die Welt schickt.
So wie die Schauspieler ihre Rollen wechseln, um den eigenen Blick über den Tellerrand zu erweitern, so wird auch der Zuschauer in diese Wechsel einbezogen. Die Authentizität der erzählten Lebensgeschichten erzeugt eine Nähe, die die Grenze zwischen Publikum und Bühne verschwimmen lässt. Man erkennt sich wieder in jedem der vier Charaktere.
Mit verschiedenen gestalterischen Mitteln und wechselndem Tempo begeistert das Stück kurzweilig und hallt nachhaltig im Echo der eigenen Gedanken nach. Auf faszinierende Art und Weise schaffen es die vorgetragenen Klischees die eigenen in Frage zu stellen, so dass schließlich die Auflösung des Stücks im Grunde bei den Zuschauern selbst geschieht.
Ein kleines, aber sehr feines Stück, gespielt von engagierten Schauspielern, das nicht nur zu empfehlen ist, sondern eine Pflicht für alle ist, die sich frei von Vorurteilen betrachten.  kaipiranha.de

Reto Kamberger inszeniert die Ensembleproduktion: Integrare heisst Erneuern, ueber Vorurteile und Identitaet in der Grossstadt. Theater unterm Dach, 20. September 2012.Foto © David Baltzer (bildbuehne.de)

Gefördert vom Bezirksamt Pankow von Berlin (Amt für Weiterbildung und Kultur, Fachbereich Kunst und Kultur), von der Heinz und Heide Dürr Stiftung sowie der Ilse und Dr. Horst Rusch Stiftung

pankow    rusch     Neues Bild

faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete

faust
Foto © Thomas Schöpf

nur leider ist das so, dass mein Körper überhaupt keine scheiß Sprache spricht, sondern dass der irgendwann einfach auseinander fallen wird, und was da eine Sprache dran sein soll, wenn so ein Körper auseinander fällt, weil eine Sprache das Gegenteil von Auseinanderfallen und wenn man jetzt glaubt, dass das Auseinanderfallen von so einem Körper eine Sprache für die Abwesenheit von dieser scheiß Versöhnlichkeit ist, dann vertauscht man da, glaub ich, grade ordentlich was

faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete  von Ewald Palmetshofer
Aufführungsrechte S. Fischer Verlag Frankfurt Main  ·  Premiere 21. April 2011  ·   Theater unterm Dach  Berlin
Ensemble  Henning Bormann  ·  Anna Dieterich  ·  Theo Plakoudakis  ·  Constanze Priester  ·Mieke Schymura  · Tancredi Volpert
Inszenierung  Reto Kamberger  ·  Ausstattung  Ute Lindenbeck ·  Licht  Kamil Rohde  · Musikalische Einstudierung  Henrike Loechte

Reto Kamberger inszeniert " Faust hat Hunger und verschluckt sich an einer Grete " im Theater unterm Dach, Premiere 21. April 2011.

Foto © David Baltzer (bildbuehne.de)

Pressestimmen

Der Schweizer Reto Kamberger inszenierte das aufs Wort fixierte Stück. Dass er sich auf Doppelbödigkeit und schwarzen Humor versteht, bewies er schon mit der Regie für Herr Kolpert von David Gieselmann.  faust hat hunger ist noch verlogener, tragischer.   Neues Deutschland

Ewald Palmetshofers moderne Faust-Adaption ist ein Spiel der Suche nach dem Glück und der Befindlichkeitspsychogramme. ER und SIE sollen Faust und Grete figurieren, es gibt viele Anspielungen auf Goethes Text, doch der szenisch ausgelebte Narzissmus geht an der tiefgründigen Vorlage vorbei, er verengt sie. Jeder hat seinen Auftritt und ist sich selbst der Nächste, Frauen und Männer, bekannte Gesichter, gemischte Gefühle. Alles wirkt wie in einer unbestimmten Transitsituation.
Gleichwohl, und dies ist die Stärke der Inszenierung, entfaltet sich ein stimmiges Bild einer völlig zersetzten Gesellschaft, die sich im Zustand der dauernden, sinnlosen  Selbstbefragung befindet.  Zitty das Stadtmagazin

Schöne Inszenierung und tolle Schauspieler, man verbringt wirklich einen guten Abend zwischen Mitleid und Lachen. Herzlichen Dank und viel Erfolg!  berliner-stadtmagazin-blog.de

Der Letzte Tod des Frenki Tränchen

Frenki Tränchen Postkarte

MARKO  Aber ich will nicht mehr, dass du mich umbringst. Das ist langweilig.
MARIJA  Papa, ich möchte es. Aber du sollst mich erdrücken. So wie damals, als wir das Kleid gekauft haben…
PETAR  Mama soll dich erdrücken!
MARIJA  Papa, ich will, dass du mich erdrückst!
SANJA  Marija, geh uns nicht auf die Nerven! Wollt ihr, dass wir euch auf den Balkon sperren, damit  ihr erfriert?

Der Letzte Tod des Frenki Tränchen  Von Slobodan Vujanovic
Aufführungsrechte Bühnenverlag Kaiser & Co Wien  ·  Deutschsprachige Erstaufführung  am 31.10.2008  ·  Theater Engelbrot Berlin
Ensemble  Anna Dieterich ·  Arne Fuhrmann ·  Thomas Mai ·  Saskia Kästner ·  Kristian Wanzl
Inszenierung  Reto Kamberger  ·  Ausstattung  Ute Lindenbeck ·  Licht  Hans Fründt ·  Kampfchoreographie  Marit Fochler 

 Deutschasprachige Erstauffuehrung von " Der letzte Tod des Frenki Traenchen " im Engelbrot Studio, 31. Oktober 2008.

Foto © David Baltzer (bildbuehne.de)

Pressestimmen

Verdienstvoll, den serbischen Autor Slobodan Vujanovic in Berlin vorzustellen. Das Stück, das deutlich von der sprachmächtigen Autorin Biljana Srbljanovic beeinflusst ist und Züge eines Märchens aufweist, erzählt eine Familiengeschichte, ist Sozialdrama und absurde Farce gleichermaßen.
Weit entfernt von moralischem Betroffenheitstheater setzt die Inszenierung auf ein surreales, körperbetontes Rollenspiel, auf Action… Visuell eindrücklich, wenn die Mutter mit dem blutigen Messer in die Szene tritt.  Zitty, das Stadtmagazin

Die Inszenierung ist ganz nach meinem Geschmack: Schwarzer Humor, minimalistisches Bühnenbild, Action und ruhige Szenen wechseln sich ab… Gerade die herrlich amüsanten Passagen enthalten immer auch eine bedrückende Komponente. Armut, Kindesmisshandlung, Prostitution, Vergewaltigung werden ohne Betroffenheitskitsch dargestellt.  Antigone20.de