Agentur für Anerkennung

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Trailer zu unserer aktuellen Produktion DER HORATIER. Wir spielen wieder im Rahmen des PERFORMING ARTS FESTIVAL am Sa 17. und So 18. Juni 2017. Die Vorstellungen im Theater unterm Dach Berlin beginnen jeweils um 20 h. Am So, 18. Juni findet nach der Vorstellung ein Publikumsgespräch statt, zu dem wie alle Zuschauer*innen sehr herzlich einladen. Weitere Informationen zum PERFORMING ARTS FESTIVAL.

Vorbestellungen bitte unter 030 – 902 95 38 17 oder theateruntermdach(at)gmail.com

Trailer DER HORATIER

Kritiken DER HORATIER

Im Theater heute (Oktober 2017) schreibt Anja Quickert:

[…] Ebenfalls im Modus subjektiver Geschichtsauffassung hat die AGENTUR FÜR ANERKENNUNG ihre Arbeit an Heiner Müllers “Horatier“ im Theater unterm Dach wieder aufgenommen. In Müllers Adaption der antiken Legende vereint die titelgebende Figur den unlösbaren Widerspruch in sich, gleichzeitig staatstragender Held und Mörder der eigenen Schwester (=Familie) zu sein. Dass sich aus “Verdienst“ und “Schuld“ keine einfache Quersumme bilden lässt, vollziehen die fünf Protagonist*innen zuerst an den eigenen Künstler- bis Fluchtbiografien nach, bevor sie dem ungekürzten Versepos eine gemeinsame Stimme verleihen. Dabei bricht das biografische Moment die (sprachliche) Hermetik des Müllerschen Lehrstücks zwar nicht auf, im Nebeneinander von Nahem und Fernen wird das Abstrakte aber greifbarer: “Was ich nicht ertrage, ist die Unschuld der Menschen.“ (Heiner Müller)

 

Gesche Beyer schreibt einen Beitrag im Performing Arts Festival Blog 2017, der von Studierenden der Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin geführt wurde:

„Raus“, so erzählt Schauspieler Ayham Hisnawi, war auch das erste Wort, das er lernte, als er nach Deutschland kam. Hisnawi ist Teil des Ensembles AGENTUR FÜR ANERKENNUNG, das im Theater unterm Dach „Der Horatier“ spielt. Lange Holzstäbe knallen aneinander, im Aikido-artigen Zweikampf gewinnt Hisnawi als Horatier gegen den Curatier, in dessen Rolle Katharina Merschel geschlüpft ist. Rhythmisches Klatschen begleitet den Kampf. Dummerweise wird der Horatier auch noch zum Mörder seiner eigenen Schwester, weil diese den Feind betrauert. Ein Luftballon zerplatzt, rotes Konfetti rieselt heraus. Unmissverständliche Symbolik: Die Schwester ist tot.
Wie nun umgehen mit dem Helden und Mörder? Wie lassen sich Verdienst und Schuld nebeneinanderstellen, ohne dass sie sich gegenseitig aufheben? Die AGENTUR FÜR ANERKENNUNG erweitert Müllers Text um persönliche (Schuld-)Geschichten. „Für diese Produktion bin ich zweimal die Woche von Brüssel nach Berlin geflogen!“, so Merschel. Verdienst oder Schuld? Die anderen Ensemblemitglieder sind sich einig: Schuld, wegen des CO2-Ausstoßes. Zur Strafe wird Merschel mit Kreppband ein Arm an die Hüfte geklebt.

Auf dem Weg nach Europa ist Hisnawi, der im Schlauchboot am Motor saß und steuerte, so schnell gefahren, wie er konnte, obwohl die anderen Angst hatten. „Aber ich wollte einfach nur ankommen.“, erzählt er. Verdienst, entscheidet das Ensemble. Zur „Belohnung“ wird ihm ein Luftballon um den Arm gehängt.
Hisnawi erzählt seine Geschichten lebhaft, ernsthaft und dabei doch mit spielerischer Leichtigkeit, immer wieder stiehlt sich ein mal verschmitztes, mal melancholisches Lächeln auf seine Lippen. Die Erzählungen der restlichen Ensemblemitglieder jedoch wirken streckenweise etwas gestelzt, die Symbolik mit Kreppband und Luftballon mutet etwas Holzhammer-artiges an, zwischendrin muss ich an Kindergeburtstag denken.
Unvermittelt und zu zuckend blauem Licht fängt Ensemblemitglied Fabian Neupert zwischendrin zu rappen an, ruft zur Öffnung der Grenzen Europas auf. Aber diese Worte, die man den Identitären ins Gesicht schleudern müsste, wirken hier auf der Bühne abgedroschen, so staubig wie die steifen ausgestopften Kostüme, die als Requisiten dienen.

Den gesamten Artikel von Gesche Beyer gibts hier.

 

Stefan Bock schrieb am 25.11.2016 auf:
http://www.kultura-extra.de/theater/spezial/premierenkritik_derhoratier_TuD.php
und am 28.11.2016 im freitag: https://www.freitag.de/autoren/stefan-bock/der-horatier

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Auszug:
„So reflektiert man in kurzen Stücksequenzen, die mit „Text“, „Handlung“, „Verdienst oder Schuld“ und „Zukunft“ überschrieben sind, das eigene Verhalten anhand von Erlebnissen oder berichtet aus dem Probenprozess und prüft dabei Müllers Stück auf seine heutige Tragweite. Dass dabei nicht nur dröge Textexegese herauskommt, dafür sorgen ein schnell wechselnder Spielablauf und immer wieder die Hinterfragung bestimmten Thesen, die sich für das Ensemble bei der Beschäftigung mit dem Stoff ergaben.“

 

Lucia Tirado schrieb im Neuen Deutschland vom 15.12.2016:

Wo ist Schuld, wo Verdienst?
[…]
Keine Angst vor Müller? Doch, da war eine erst verstörende Berührung mit dem ungewöhnlichen Sprachrhythmus der Parabel, räumen die Schauspieler ein. Eigenen Rhythmus geben sie der Inszenierung in der Regie von Reto Kamberger dazu – sauber im von Anna Dieterich einstudierten Chor sprechend, sich auf den Körper klopfend, aufstampfend, mit langen Stangen agierend. Manchmal gerät es zum Kriegsgeräusch. Schließlich geht es um Schlacht, Kampf und Mord. Der Horatier errang einen Sieg für sein Land. Aber er tötet dafür den Verlobten seiner Schwester, tötet auch sie, weil sie ihn nicht ehrt, sondern um ihren Liebsten trauert. Ist der Horatier nun Sieger, ist er Mörder? Man hält Gericht.
Für gewöhnlich stört, etwas über den Entstehungsprozess eines Stücks bei der Aufführung zu erfahren. Man will das Ergebnis, basta. Hier ist das anders. Bei der Agentur für Anerkennung geben die Akteure auch Persönliches preis. Man soll wissen, wer dort auf der Bühne steht und was er zu sagen hat. Die Inszenierung öffnet sich, ohne Kumpel des Publikums sein zu wollen. Sie macht sich lebensnäher, verletzbarer.
[…]

nd_kritik_15-12-2016

Der Horatier

DER HORATIER von Heiner Müller
eine HELDENBEFRAGUNG der AGENTUR für ANERKENNUNG
Premiere am 24. November 2016 im Theater unterm Dach Berlin

horatier-44 Foto: Kamil Rohde

Die Titelfigur in Heiner Müllers Stück vereint einen unauflöslichen Widerspruch in sich. Im Zweikampf erringt der Horatier einen Sieg für seine Stadt, wird aber gleichzeitig zum Mörder an seiner eigenen Schwester, weil diese den Feind – ihren Verlobten – betrauert, statt den Sieger – ihren Bruder – zu bejubeln. Wie nun umgehen mit dem Helden/Mörder? Soll der Sieger geehrt oder der Mörder hingerichtet werden? Wie lassen sich Verdienst und Schuld nebeneinander stellen, ohne dass sie sich gegenseitig aufheben?

Müllers Parabel rüttelt an unserem hehren Selbstbild: Schaffen wir das, politische Ereignisse und ihre Protagonisten vielschichtig zu beurteilen, abwägend, emotional, aber ohne Angst? Bewerten wir mit der Zukunft im Blick, oder machen wir es uns lieber bequem inmitten von Polarisierung und vorschnellen Urteilen. Wir erweitern Müllers Text um persönliche Geschichten und Erfahrungen. Wer sind unser Helden, wer unser Schurken und warum? Können wir die Widersprüche unserer Geschichte(n) aushalten und gemeinsame Zukunftsperspektiven entwickeln?

Nämlich die Worte müssen rein bleiben. Denn
Ein Schwert kann zerbrochen werden und ein Mann
Kann auch zerbrochen werden, aber die Worte
Fallen in das Getriebe der Welt uneinholbar
Kenntlich machend die Dinge oder unkenntlich.
Tödlich dem Menschen ist das Unkenntliche.

Konzept: Agentur für Anerkennung
Regie: Reto Kamberger
Ausstattung, Dramaturgie: Ute Lindenbeck
Chor: Anna Dieterich
Spiel: Darinka Ezeta, Homa Faghiri, Ayham Hisnawi, Katharina Merschel, Fabian Neupert

Aufführungsrechte bei henschel Schauspiel Theaterverlag
gefördert von der Heinz-und-Heide-Dürr-Stiftung
unterstützt von der Internationalen Heiner-Müller-Gesellschaft

 

Alle Fotos von Kamil Rohde

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Nach der Arbeit

Die Arbeit ist tot! Wir laden herzlich ein zur Trauerfeier.

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Foto © Kamil Rohde

Nach der Arbeit ist ein Theaterstück über das Verhältnis von Mensch und Arbeit. Was leisten wir für die Arbeit? Oder leistet die Arbeit etwas für uns? Brauchen wir sie noch? Oder sollten wir sie am besten einfach abschaffen?
Als Selbstverwirklichung, Anerkennungsquelle, Sinnstifterin und Broterwerb macht sich die Arbeit in unserem Leben breit und bestimmt, wer sir sind; oder ob wir jemand sind: „Wenn ich von meinem Leben erzähle und alles streiche, was mit Arbeit zu tun hat… bleibt dann überhaupt noch etwas übrig?“

Der Tod der Arbeit ist unser Ausgangsszenario. Wir erzählen persönliche Erfahrungen, befragen politische Utopien und werfen einen gesellschaftlichen Blick auf die Zukunft der Arbeit. Vielleicht gelingt es uns sogar, die Arbeit zu neuem Leben zu erwecken. Aber es müsste eine andere Art von Arbeit sein, eine ganz andere!

Konzept und Text  Agentur für Anerkennung
Ensemble  Anna Dieterich  •  Wera Herzberg  •  Nizam Namidar
Tancredi Volpert
Inszenierung  Reto Kamberger  •  Ausstattung und Dramaturgie  Ute Lindenbeck   Licht Kamil Rohde  •  Musikalische Leitung Henrike Loechte Grafik  Thomas Schöpf    Regieassistenz  Laura Preussing  •  Ausstattungsassistenz  Nadine Weyer Produktionsleitung  Sandra Klöss Ehrliche Arbeit  •  Presse und ÖA  Nora Gores

Theater unterm Dach   •  Danzigerstraße 101   •  10405 Berlin •  www.theateruntermdach-berlin.de
Karten unter 030-90295 3817

NachDerArbeit2Foto © Kamil Rohde

Pressestimmen
Ein Sarg steht auf der Bühne. Die Verstorbene ist: die Arbeit. Was nun? Kniend kondolieren vier Hinterbliebene. Sie heißen Anerkennung, Selbstverwirklichung, Solidarität und Sabotage. Die vier Darsteller verbildlichen darin Haltungen zur Arbeit im Kapitalismus. Die Grundsatzfrage, die alle betrifft, die ihr Geld mit Hand, Schweiß und Grips verdienen müssen, wird in Reto Kambergers Inszenierung gestellt. Nämlich: Wie gehen wir in der globalisierten Welt damit um, dass es um die Jobs zunehmend schlechter bestellt ist?

Von moralinsaurem Zeigefingertheater ist dieses Experiment weit entfernt. Im reduzierten Spiel geht es zuweilen zynisch-fröhlich zu, es wird referiert, theoretisiert und zitiert: Was ist Arbeit eigentlich, was hat sie mit Selbstwertgefühl, Kreativität, Anerkennung oder gar ganz einfach mit Lebensunterhalt zu tun? Der Türke referiert seine Arbeitsbiografie. Da ist die Frau, die sich qualifiziert hat, ihr werden Zettel aufs Gesicht geklebt, sie ist wohl eine Nummer geworden. Sie hat keine Chance im hektischen Bewerbungsmarathon. Die Darsteller zeigen ein genau inszeniertes szenisches Kaleidoskop, Versatzstücke bis hin zu einer „Agentur für Utopie“. Durchaus spannend, diese gute Theaterstunde.    Zitty, das Stadtmagazin

»Nach der Arbeit« ist ein höchst ambitioniertes Projekt; erkundet es doch Wege aus der Matrix des Erwerbsarbeitszwangs. Ein spannendes Grundszenario stellt es bereits voran: Die Erwerbsarbeit, wie wir sie kennen, ist tot und nun müssen neue Sichtweisen auf diesen so fundamentalen Bestandteil unseres Lebens gefunden werden. Die vier Darsteller spielen am »Theater unterm Dach« am aufgebahrten Sarg der Arbeit nicht etwa fixe Personen, sondern hinter der Erwerbsarbeit zu vermutende motivationale Prinzipien wie Anerkennung (Nizam Namidar), Selbstverwirklichung (Anna Dieterich), Solidarität (Wera Herzberg) – und die eher mit Arbeitsüberdruss verbundene Sabotage (Tancredi Volpert).

In auf Interviews mit dem Ensemble basierenden Szenen- Häppchen mit spielfreudigen Akteuren zeigt sich das große Potenzial dieser Darbietung: Da steht ein Kollektiv auf der Bühne, das ein abstraktes Sujet anhand lebensnaher Beispiele mit fruchtbarer Varianz an theatralen Mitteln (vom klassischen Monolog über wilde Debatten zum Bedingungslosen Grundeinkommen bis hin zu eindringlichem Gesang von Arbeiterliedern) durchexerziert und dabei stumm in die Zuschauerreihen hinüber ruft: »Macht euch eure eigenen Gedanken zu dem, was wir hier vorturnen!«  Neues Deutschland

Gefördert durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Senatskanzlei für Kulturelle Angelegenheiten, den Fonds Darstellende Künste, das Bezirksamt Pankow von Berlin, Amt für Weiterbildung und Kultur sowie durch die Heinz-und-Heide-Dürr-Stiftung

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Integrare heißt Erneuern!


Die Mauer ist uns auf den Kopf gefallen! — Die Mauer ist überhaupt nicht einfach gefallen, wir haben die Mauer gestürzt! — Dann habt ihr sie eben uns auf den Kopf gestürzt, das macht’s auch nicht besser!

Integrare heißt Erneuern!
Projektentwicklung  •  Premiere 20. September 2012  •  Theater unterm Dach Berlin
Text  Reto Kamberger und Ensemble
Ensemble Anna Dieterich  •  Tobias Kaufhold  •  Marlies Ludwig  •  Ali Yigit
Regie Reto Kamberger  •  Ausstattung Ute Lindenbeck und Anna Buttler  •  Dramaturgie Ute Lindenbeck
Musikalische Einstudierung Bee Chang • Licht Kamil Rohde

Vier Figuren begegnen einander: eine Frau aus dem Osten, ein türkischer Migrant, eine nach Berlin zugezogene Schwäbin und ein junger Westberliner. Die Figuren erzählen Geschichten, und sie erzählen ihre Geschichte. Es geht um Überzeugungen und Kinder, um Austausch und Enttäuschungen – und um die Mauer.
Und immer geht es irgendwie um das Gefühl, dazu zu gehören oder nicht!

Schnitt Anna Ali Gross_DSC06744 Foto © Kamil Rohde

Pressestimmen

Was sich in der Inszenierung unter der Regie von Reto Kamberger unter textlicher Mitarbeit des Ensembles abspielt, daran kommt inhaltlich niemand im Zuschauervolk vorbei. Jeder könnte da mitreden. Jedem sind die hier angeführten Vorurteile bekannt, die den Alltag von Leuten aus Ost und West, Nord und Süd begleiten. Jeder könnte auf seine Weise auch seine Probleme mit der zwar schon über 20-jährigen und doch geschichtlich gesehen jungen Situation beklagen. Wir finden uns wieder. Gemütlich ist das nicht. Spröde deshalb auch das Bühnenbild samt der Mauer in Kleinformat.

Das Stück sucht künstlerisch nach einer Möglichkeit der Annäherung. Und siehe da, alle Zuschauer beteiligen sich daran. Mit der Aufgabe werden sie bereits vor Beginn des Stücks konfrontiert. Was da jeder für sich als bemerkenswert erachtet, wird im Stück letztlich eine Rolle spielen. Zu aller Überraschung sind dann Forderungen des Publikums eingereicht. Eine wunderbare Idee, selbst wenn man Theater an sich nachsagt, es könne nichts ändern. Vielleicht doch.   Neues Deutschland

Wem gehört Berlin? Diese Frage wird immer wieder ausgiebig in den Feuilletons diskutiert und offenbart nur die absurdesten Ressentiments gegen Touristen und den grassierenden lokalen Kiezstolz der ehemals Zugezogenen. Um das „Dazugehören“ geht es auch in dem Episodenstück Integrare heißt erneuern von Reto Kamberger, ebenfalls ein aus der Schweiz ausgewanderter Neuberliner, der aber als historischen Anfangspunkt das berühmteste Bauwerk der Hauptstadt wählt und plakative Figuren ins Rennen schickt. Eine Frau aus dem Osten, einen Westberliner, die obligatorische Schwäbin und einen Deutschtürken. Sie leben in der Stadt, auf der einen oder anderen Seite, und auch wenn die Mauer abgerissen wurde, liegen noch Bruchstücke in den Köpfen. Wie sie leben und wie oder ob die Mauer in den Köpfen klein geklopft werden kann, um einen Blick auf ein „Miteinander“ zu eröffnen, loten die vier unterschiedlichen Charaktere in packenden und auch wahnwitzigen Dialogen aus.   taz die Tageszeitung

Die Vorurteile, das Aneinandervorbeireden, auch Ignoranz werden an- aber nicht ausdiskutiert. Das Ganze hat Tempo, oft Witz, mitunter auch die Andeutung von Tiefe… Das ist nicht wenig, aber es hätte sich aus der Konstellation mehr machen lassen. So bleibt die Forderung nach gegenseitigem Respekt, Zuhören, nach einem Miteinander.  Das Blättchen

Es ist ein humorvolles und intelligentes Spiel mit Klischees und Vorurteilen. Jeder beschuldigt den anderen, Schuld an dem eigenen Dilemma zu haben. Und trotz allen Vorwürfen hat jeder ein lobendes Wort für den anderen. Die Deutschen singen türkische Volkslieder, der Türke singt “Kein schöner Land”.  Dabei nimmt sich das Stück selbst auf die Schippe und vollführt so einen genialen Bogenschlag, der am Ende die Zuschauer mit ihren eigenen Gedanken wieder in die Welt schickt.
So wie die Schauspieler ihre Rollen wechseln, um den eigenen Blick über den Tellerrand zu erweitern, so wird auch der Zuschauer in diese Wechsel einbezogen. Die Authentizität der erzählten Lebensgeschichten erzeugt eine Nähe, die die Grenze zwischen Publikum und Bühne verschwimmen lässt. Man erkennt sich wieder in jedem der vier Charaktere.
Mit verschiedenen gestalterischen Mitteln und wechselndem Tempo begeistert das Stück kurzweilig und hallt nachhaltig im Echo der eigenen Gedanken nach. Auf faszinierende Art und Weise schaffen es die vorgetragenen Klischees die eigenen in Frage zu stellen, so dass schließlich die Auflösung des Stücks im Grunde bei den Zuschauern selbst geschieht.
Ein kleines, aber sehr feines Stück, gespielt von engagierten Schauspielern, das nicht nur zu empfehlen ist, sondern eine Pflicht für alle ist, die sich frei von Vorurteilen betrachten.  kaipiranha.de

Reto Kamberger inszeniert die Ensembleproduktion: Integrare heisst Erneuern, ueber Vorurteile und Identitaet in der Grossstadt. Theater unterm Dach, 20. September 2012.Foto © David Baltzer (bildbuehne.de)

Gefördert vom Bezirksamt Pankow von Berlin (Amt für Weiterbildung und Kultur, Fachbereich Kunst und Kultur), von der Heinz und Heide Dürr Stiftung sowie der Ilse und Dr. Horst Rusch Stiftung

pankow    rusch     Neues Bild

faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete

faust
Foto © Thomas Schöpf

nur leider ist das so, dass mein Körper überhaupt keine scheiß Sprache spricht, sondern dass der irgendwann einfach auseinander fallen wird, und was da eine Sprache dran sein soll, wenn so ein Körper auseinander fällt, weil eine Sprache das Gegenteil von Auseinanderfallen und wenn man jetzt glaubt, dass das Auseinanderfallen von so einem Körper eine Sprache für die Abwesenheit von dieser scheiß Versöhnlichkeit ist, dann vertauscht man da, glaub ich, grade ordentlich was

faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete  von Ewald Palmetshofer
Aufführungsrechte S. Fischer Verlag Frankfurt Main  ·  Premiere 21. April 2011  ·   Theater unterm Dach  Berlin
Ensemble  Henning Bormann  ·  Anna Dieterich  ·  Theo Plakoudakis  ·  Constanze Priester  ·Mieke Schymura  · Tancredi Volpert
Inszenierung  Reto Kamberger  ·  Ausstattung  Ute Lindenbeck ·  Licht  Kamil Rohde  · Musikalische Einstudierung  Henrike Loechte

Reto Kamberger inszeniert " Faust hat Hunger und verschluckt sich an einer Grete " im Theater unterm Dach, Premiere 21. April 2011.

Foto © David Baltzer (bildbuehne.de)

Pressestimmen

Der Schweizer Reto Kamberger inszenierte das aufs Wort fixierte Stück. Dass er sich auf Doppelbödigkeit und schwarzen Humor versteht, bewies er schon mit der Regie für Herr Kolpert von David Gieselmann.  faust hat hunger ist noch verlogener, tragischer.   Neues Deutschland

Ewald Palmetshofers moderne Faust-Adaption ist ein Spiel der Suche nach dem Glück und der Befindlichkeitspsychogramme. ER und SIE sollen Faust und Grete figurieren, es gibt viele Anspielungen auf Goethes Text, doch der szenisch ausgelebte Narzissmus geht an der tiefgründigen Vorlage vorbei, er verengt sie. Jeder hat seinen Auftritt und ist sich selbst der Nächste, Frauen und Männer, bekannte Gesichter, gemischte Gefühle. Alles wirkt wie in einer unbestimmten Transitsituation.
Gleichwohl, und dies ist die Stärke der Inszenierung, entfaltet sich ein stimmiges Bild einer völlig zersetzten Gesellschaft, die sich im Zustand der dauernden, sinnlosen  Selbstbefragung befindet.  Zitty das Stadtmagazin

Schöne Inszenierung und tolle Schauspieler, man verbringt wirklich einen guten Abend zwischen Mitleid und Lachen. Herzlichen Dank und viel Erfolg!  berliner-stadtmagazin-blog.de

Der Letzte Tod des Frenki Tränchen

Frenki Tränchen Postkarte

MARKO  Aber ich will nicht mehr, dass du mich umbringst. Das ist langweilig.
MARIJA  Papa, ich möchte es. Aber du sollst mich erdrücken. So wie damals, als wir das Kleid gekauft haben…
PETAR  Mama soll dich erdrücken!
MARIJA  Papa, ich will, dass du mich erdrückst!
SANJA  Marija, geh uns nicht auf die Nerven! Wollt ihr, dass wir euch auf den Balkon sperren, damit  ihr erfriert?

Der Letzte Tod des Frenki Tränchen  Von Slobodan Vujanovic
Aufführungsrechte Bühnenverlag Kaiser & Co Wien  ·  Deutschsprachige Erstaufführung  am 31.10.2008  ·  Theater Engelbrot Berlin
Ensemble  Anna Dieterich ·  Arne Fuhrmann ·  Thomas Mai ·  Saskia Kästner ·  Kristian Wanzl
Inszenierung  Reto Kamberger  ·  Ausstattung  Ute Lindenbeck ·  Licht  Hans Fründt ·  Kampfchoreographie  Marit Fochler 

 Deutschasprachige Erstauffuehrung von " Der letzte Tod des Frenki Traenchen " im Engelbrot Studio, 31. Oktober 2008.

Foto © David Baltzer (bildbuehne.de)

Pressestimmen

Verdienstvoll, den serbischen Autor Slobodan Vujanovic in Berlin vorzustellen. Das Stück, das deutlich von der sprachmächtigen Autorin Biljana Srbljanovic beeinflusst ist und Züge eines Märchens aufweist, erzählt eine Familiengeschichte, ist Sozialdrama und absurde Farce gleichermaßen.
Weit entfernt von moralischem Betroffenheitstheater setzt die Inszenierung auf ein surreales, körperbetontes Rollenspiel, auf Action… Visuell eindrücklich, wenn die Mutter mit dem blutigen Messer in die Szene tritt.  Zitty, das Stadtmagazin

Die Inszenierung ist ganz nach meinem Geschmack: Schwarzer Humor, minimalistisches Bühnenbild, Action und ruhige Szenen wechseln sich ab… Gerade die herrlich amüsanten Passagen enthalten immer auch eine bedrückende Komponente. Armut, Kindesmisshandlung, Prostitution, Vergewaltigung werden ohne Betroffenheitskitsch dargestellt.  Antigone20.de