Agentur für Anerkennung

Agentur für Anerkennung

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Lassen Sie sich anerkennen und erkennen Sie an!

Nutzen Sie die Gelegenheit, beliebte und unbeliebte Kolleginnen und Kollegen, nahe und entfernte Verwandte sowie vergessene und unvergessene Freundinnen und Freunde anzuerkennen!

Eine sehr gute Freundin von mir ist ein ganz besonderer Mensch, ein außergewöhnlich schöner Charakter, voller Talente, Ideen, Herz und Geist. Sie ist eine wunderbare Mutter, Lehrerin, Schauspielerin, Freundin… Ich wünsche mir und ihr, dass sie sich selbst mehr anerkennen kann! Art of Life

Die Agentur für Anerkennung erkennt an, dass Birgit M. heute ein Weihnachtsgeschenk gebastelt hat!

Anna aus Berlin erkennt an, dass Ute sich eigen- und uneigennützig politisch engagiert!

Lina aus Berlin erkennt an, dass Maik  sich nicht von ihr abgewendet hat!

Sedef aus Köln erkennt an, dass Johanna versucht, glücklich zu sein!

Sebastian aus Esslingen erkennt an, dass Miriam ihn anerkennt!

Utopie 2

Die AGENTUR FÜR ANERKENNUNG war im Januar 2016 zu Gast bei der Berlin Diagonale. Gemeinsam mit den Besucherinnen und Besuchern haben wir mögliche Zukunftsbilder entworfen. Dabei haben wir uns von Utopien leiten lassen, aber auch von Kindheitserinnerungen. Und wir haben nach Fähigkeiten gefragt, die wir für diese Zukunft mitbringen sollten. Hier folgen die schönsten Utopien, die selbstverständlich noch weiter ausgeführt und kommentiert werden dürfen:

DER TRAUMFONDS – Wir errichten einen Fonds für Träume. Wer viel und aufregend träumt, kann wenig erfahrene Traumanfänger unterstützen. Die wichtigste Eigenschaft hierfür ist Grenzenlosigkeit und keine Angst vor Träumen.

ITALIEN ÜBERALL – Wir machen die gesamte Welt zum Italien unserer Kindheit. Dafür benötigen wir im Wesentlichen überall Italienisches Licht.

WALE STATT RENNER – Wir erhöhen die öffentliche Kulturförderung und verbinden die kreative Arbeit mit dem Kampf gegen den Walfang. Eigenschaften für diese Zukunft sind politisches Geschick und Seetüchtigkeit.

UTOPIAN IN PLAYMOBIL – In Zukunft gründen wir ganze Welten und gestalten sie immer wieder neu. Wir orientieren uns an der Erinnerung an frühere Playmobil-Welten und lassen keinerlei leichtfertige Einschränkungen zu. Die Fähigkeiten für diese Zukunft sind Abenteuerlust, Pioniergeist und Geduld beim Suchen der Kleinteile.

DAS ENDE DE WELT – Die Zukunft errichten wir am Kap der Guten Hoffnung. Die Sehnsucht, hinter die Grenzen der Welt zu blicken, verbinden wir mit unserer Liebe zu Pinguinen. Wir benötigen dafür erneut Pioniergeist und Freundschaft.

GEMEINSAM UND GELASSEN – Unsere Zukunft ist ein neues Gefühl für Gemeinschaft. Wir brauchen dafür nichts weiter als Gelassenheit!

ANERKENNUNG – In Zukunft erkennen wir die persönliche Zeit jedes Einzelnen an. Wir brauchen dafür die Fähigkeit, nicht in Kategorien zu denken.

Alle Philosophen sind Vegetarier.

Ich habe neulich irgendwo den Satz gelesen: „Alle Philosophen sind Vegetarier.“ Und woanders habe ich einen anderen Satz gelesen: „Die allermeisten Philosophen sind gar keine Vegetarier.“ In den letzten Tagen habe ich dann immer mehr solche Sätze gelesen: „Ich kenne viele Philosophen, die nie Vegetarier werden würden.“ oder auch: „Ein Bekannter von mir ist Philosoph, und der ist so wenig Vegetarier wie ich.“

Einige dieser Sätze sind wohl richtig, andere nicht. Aber alle diese Sätze haben die merkwürdige Nebenwirkung, dass ich von nun an immer an Vegetarier denke, sobald ich nur das Wort Philosoph höre. Mir bleiben immer nur die Wörter Philosoph und Vegetarier im Gedächtnis. Kein Wunder, es sind ja auch sogenannte Hauptwörter. Was da sonst noch steht in diesen Sätzen („sind gar keine“, „wird nie werden“, „ist so wenig“), fällt weit weniger ins Gewicht bzw. ins Gehör.

Über Vegetarier wird in letzter Zeit tatsächlich einiges geschrieben. Dass ich hingegen über Philosophen so viel gelesen haben soll, wird Sie vermutlich erstaunen. Vielleicht haben Sie sogar Recht, und mein Gedächtnis hat mich schlicht getäuscht. Vielleicht lauteten die Sätze gar nicht wie eingangs zitiert. Vielleicht hieß der eine Satz auch: „Alle Muslime sind Vegetarier.“ Und der andere Satz vielleicht: „Die allermeisten Philosophen sind gar keine Terroristen.“
Ja, könnte sein, dass die Sätze so oder ähnlich lauteten, man kommt da schon mal durcheinander, wenn man jeden Tag fleißig eine Vielzahl von Medien konsumiert. Die assoziative Verbindung der Hauptwörter erfolgt natürlich auch in diesen Sätzen ganz automatisch.

Vielleicht sollten wir versuchen, bestimmte Wörter einfach nicht mehr ganz so oft zusammen in einem Satz zu verwenden. Sie werden mir sofort erwidern, man werde es doch wohl noch sagen dürfen, wenn ein Philosoph zum Vegetarier wird. Und noch viel mehr habe die Welt ein Recht zu erfahren, dass nicht alle Soziologen vegan leben! Aber selbstverständlich dürfen Sie das sagen. Das ist ja das Großartige an diesem Land, dass wir das alles sagen und schreiben und zeichnen dürfen!

Aber vielleicht ist es ja keine so schlechte Idee, unsere Lieblingshauptwörter einfach mal mit anderen, weniger oft benutzten Wörtern zu verbinden. Die Zeitungen werden uns vielleicht weniger euphorisch zitieren, wenn wir in die Welt hinausrufen, dass die meisten Philosophen da her kommen, wo sie leben! Oder noch erstaunlicher: dass viele Vegetarier gar nicht so richtig an das Jüngste Gericht glauben! Klingt etwas weniger spektakulär? Ja vielleicht. Aber wenn es stimmt, sollten wir es vielleicht trotzdem sagen.

R. Kamberger. Agentur für Anerkennung

 

 

 

Die Neue Arbeit

In unserer aktuellen Produktion Nach der Arbeit tragen wir die Arbeit zu Grabe. Da wir aber so ganz ohne Arbeit auch wieder nicht können oder wollen, fragen wir uns gemeinsam mit dem Publikum, wie denn die Neue Arbeit aussehen müsste.
Hier eine erste Annäherung von unseren Zuschauerinnen und Zuschauern:

Was würden Sie machen, wenn Sie ein Jahr frei hätten?

· Die Welt kennen lernen, beginnend mit New York, Sydney und New Orleans.

· probewohnen auf dem Land.

· Liegengebliebenes aufholen.

· reisen per Schiff und per Anhalter.

· arbeiten!

· Nichts!

· Yoga.

· eine Reise um die Welt.

· Ich würde arbeiten, um heraus zu finden, wie ich mit Arbeit etwas Gutes tun kann.

· Tanzen und Singen.

· Das, was ich jetzt tue.

· draußen sein.

· ein Buch schreiben.

· in die Berge gehen.

· in Alt-Stralau die Jahreszeiten beobachten.

· ein Wochenendhaus bauen

· erstmal zwei Stunden Bass spielen, dann gucken, wie es sich entwickelt.

· schreiben, nachdenken, schreiben, nachdenken, lesen, nachdenken, schreiben, etc.

· schreiben, lesen, spazieren gehen.

· wenn ich Geld hätte: Gemüse anbauen — wenn ich kein Geld hätte: versuchen Gemüse anzubauen.

· umziehen!

· Kinder kriegen!

· für mich sind die Semesterferien schon zu krass!

· Klavier spielen lernen.

· schlafen.

 

Was erwarten Sie von der Arbeit?

· Sinnhaftigkeit, Lebensverbesserung, Freude, Selbstverwirklichung, Nachhaltigkeit.

· dass sie die Dinge besser macht.

· Freude und Geld

· sie muss fordernd und herausfordernd sein.

· Genugtuung, Anerkennung, Geld für die Familie

· dass sie die Lebensqualität nicht verringert und nicht  zu viel Zeit nimmt.

· dass sie etwas bedeutet über den wirtschaftlichen Wert hinaus.

· faire Arbeitsbedingungen, Wertschätzung

· die Befriedigung, etwas Sinnvolles für die Gesellschaft zu tun, das aber auch mich befriedigt.

· keine Ausbeutung

· Erfüllung

· Geld

· Horizonterweiterung

· ein Gehalt von dem man gut leben kann.

· dass sie den Menschen Mensch sein lässt.

· körperliche und geistige Beanspruchung

· Zufriedenheit und Anerkennung

· Erfahrungen

· dass sie mich herausfordert, ohne mich zu überfordern.

· einen Beitrag zum gesellschaftlichen Miteinander.

· die 30-Stunden-Woche.

· von fremdbestimmter Arbeit: Geld — von der Arbeit an mir: Zufriedenheit.

· Geld, Recht, Glückseligkeit

· Respekt

· Spannung

· den Feierabend.

· Ich erwarte nichts mehr!

Utopie

Was Utopie ist, als was Utopie vorgestellt werden kann, ja, das ist die Veränderung des Ganzen. Und von einer solchen Veränderung des Ganzen sind all diese sogenannten utopischen Errungenschaften, die übrigens alle wirklich sehr bescheiden, sehr eng sind, grundsätzlich verschieden. Mir will es so vorkommen als ob das, was subjektiv, dem Bewusstsein nach, den Menschen abhanden gekommen ist, die Fähigkeit ist, ganz einfach, das Ganze sich vorzustellen, als etwas, was völlig anders sein könnte. Dass die Menschen vereidigt sind auf die Welt, wie sie ist. Meine These dazu, würde lauten:
Dass im Innersten alle Menschen, ob sie es sich zugestehen oder nicht, wissen, es wäre möglich, es könnte anders sein, sie könnten nicht nur ohne Hunger und wahrscheinlich ohne Angst leben sondern auch als Freie leben. Gleichzeitig hat ihnen gegenüber – und zwar auf der ganzen Erde – die gesellschaftliche Apparatur sich so verhärtet, dass das, was als greifbare Möglichkeit, als die offenbare Möglichkeit der Erfüllung ihnen vor Augen steht, ihnen sich als radikal unmöglich präsentiert. Und wenn nun heute die Menschen universal das sagen, was in harmloseren Zeiten wohl nur ausgepichten Spießbürgern vorbehalten war (Ach, das sind ja Utopien, ach das ist ja nur im Schlaraffenland möglich, im Grunde soll das auch überhaupt gar nicht sein), dann würde ich sagen, das kommt davon, dass die Menschen den Widerspruch zwischen der offenbaren Möglichkeit der Erfüllung und der ebenso offenbaren Unmöglichkeit der Erfüllung, nur auf die Weise zu meistern vermögen, dass sie sich mit dieser Unmöglichkeit identifizieren und diese Unmöglichkeit zu ihrer eigenen Sache machen und dass sie also – um mit Freud zu reden – sich mit dem „Angreifer“ identifizieren und dass sie sagen, dass das nicht sein soll, von dem sie fühlen, dass es gerade ja sein sollte, aber dass es durch eine „Verhexung der Welt“ ihnen vorenthalten wird.

Theodor W. Adorno – Über Utopie (aus einem Radiointerview mit Ernst Bloch 1964)

Anerkennnung 2

Hegel behauptet mithin für die Art der intersubjektiven Begegnung, die er hier als notwendige Bedingung des Selbstbewusstseins inszeniert, eine strikte Form von Reziprozität: Beide Subjekte müssen wechselseitig in dem Augenblick, in dem sie sich begegnen, gegenüber sich selbst eine Negation vollziehen, die in der Abstandnahme vom jeweils Eigenen besteht. Ergänzen wir diesen Gedanken noch um Kants Bestimmung der „Achtung“, in der er einen „Abbruch“, eine Negation der „Selbstliebe“ sehen wollte, so tritt wohl zum ersten Mal zutage, was Hegel mit seiner Einführung des intersubjektiven Verhältnisses behaupten wollte:
In der Begegnung zwischen zwei Subjekten eröffnet sich insofern eine neue Handlungssphäre, als beide wechselseitig genötigt werden, einen Akt der Beschränkung ihrer selbstsüchtigen Begierde zu vollziehen, sobald sie des Anderen ansichtig geworden sind. Im Unterschied zur Handlungsform der Bedürfnisbefriedigung, in der die lebendige Wirklichkeit letztlich unverändert blieb, vollzieht sich in der Interaktion spontan eine Zustandsveränderung an beiden Beteiligten des Handlungsgeschehens: Ego und Alter Ego reagieren aufeinander, indem sie ihre eigene egozentrische Begierde jeweils so beschränken oder negieren, dass sie sich ohne die Absicht bloßer Konsumtion begegnen können. (…)

Es ist der selbsteinschränkende Akt von Alter Ego, an dem Ego gleichsam vor sich die Art von Aktivität beobachten kann, durch die es selbst in diesem Augenblick in jenem Anderen die praktische Veränderung bewirkt. Beide Subjekte nehmen reziprok am jeweiligen Gegenüber die negative Tätigkeit wahr, mit der sie eine Wirklichkeit erzeugen, die sie als ihr eigenes Produkt begreifen können. (…)

Nur in der moralischen Selbstbeschränkung des Anderen können wir die Aktivität erkennen, in der unser Selbst in der Weise tätig ist, dass es instantan an der Welt eine nachhaltige Veränderung bewirkt, ja eine neue Wirklichkeit erzeugt.

Axel Honneth · Das Ich im Wir

Die Agentur erkennt an

Bei unserer Produktion Integrare heißt Erneuern! haben wir die Zuschauer_innen nach Anstrengungen und persönlichen Fähigkeiten gefragt, die nicht genügend gesehen und gewürdigt werden. Diesen Leistungen haben wir während der Vorstellung unsere Anerkennung ausgesprochen. Einige besonders schöne Anerkennungen haben wir hier zusammengestellt.

Die Agentur für Anerkennung erkennt an, dass Wolfgang P. Klartext redet!

Die Agentur für Anerkennung erkennt an, dass Marion C. nach dem Grund ihrer Ängste fragt!

Die Agentur für Anerkennung erkennt an, dass Semir I. weniger Anpassung erwartet!

Die Agentur für Anerkennung erkennt an, dass Viola S. zwischen den Zeilen kommuniziert!

Die Agentur für Anerkennung erkennt an, dass Martin H. heute Pudding für die ganze Familie gemacht hat!

Die Agentur für Anerkennung erkennt an, dass Bee Ch. ihre Familie im Ausland besucht und sich regelmäßig bei ihr meldet!

Die Agentur für Anerkennung erkennt an, dass Frieda K. zwei Mädchen eine Geschichte vorgelesen hat!

Die Agentur für Anerkennung erkennt an, dass Silke F. ihre Geschwister zum Lachen gebracht hat!

Anerkennung 1

Wenn der Mensch wirklich menschlich werden soll, wenn er sich wesentlich und wirklich vom Tier unterscheiden soll, muss seine menschliche Begierde in ihm wirklich seine tierische Begierde überwinden. Jede Begierde aber ist Begierde nach einem Wert. Der höchste Wert für das Tier ist sein tierisches (animalisches) Leben. Alle Begierden des Tiers sind letzten Endes Funktionen seiner Begierde nach Lebenserhaltung. Die menschliche Begierde muss also diese Erhaltungs-Begierde überwinden. Anders gesagt, der Mensch „bewährt“ sich nur als Mensch, wenn er den Einsatz seines (animalischen) Lebens um seiner menschlichen Begierde willen wagt. Durch dieses Wagnis wird die menschliche Wirklichkeit als Wirklichkeit geschaffen und offenbart; in diesem Wagnis und durch dieses Wagnis „bewährt“ sie sich, das heißt, sie zeigt sich, demonstriert sich und beweist sich als wesentlich von der natürlichen, animalischen Wirklichkeit verschiedene. Deshalb heißt vom „Ursprung“ des Selbstbewusstseins sprechen, notwendig vom „Daransetzen“ des Lebens (für ein wesentlich nicht-vitales Ziel) sprechen.

Der Mensch „bewährt“ sich als Mensch, indem er sein Leben für die Befriedigung seiner menschlichen Begierde, das heißt seiner auf eine andere Begierde sich richtenden Begierde, einsetzt. Eine Begierde begehren heißt aber, sich selbst an die Stelle des von dieser Begierde begehrten Wertes setzen wollen. Denn ohne diese Substitution würde man den Wert, das begehrte Objekt, und nicht die Begierde selbst begehren. Die Begierde eines anderen begehren, heißt also letztlich begehren, dass der Wert, der ich bin oder den ich „repräsentiere“, der von diesem anderen begehrte Wert sei: ich will, dass er meinen Wert als seinen Wert „anerkennt“, ich will, dass er mich als einen selbständigen Wert „anerkennt“. Anders gesagt, jede menschliche, anthropogene, das Selbstbewusstsein, die menschliche Wirklichkeit produzierende Begierde ist letztlich eine Funktion der Begierde nach Anerkennung. Und das „Daransetzen“ des Lebens, durch welches sich die menschliche Wirklichkeit „bewährt“ ist ein Einsatz im Dienste einer derartigen Begierde. Vom „Ursprung“ des Selbstbewusstseins sprechen, heißt also notwendig von einem Kampf auf Leben und Tod um die „Anerkennung“ reden.

Alexandre Kojève · Hegel